Verbraucherzentrale fordert Stromspartarif
In jüngster Zeit wird angesichts der schmerzlich steigenden Preise für Strom und Gas auf gesellschaftlicher wie politsicher Ebene gleichermaßen über Konsequenzen aus dem Preisanstieg diskutiert. Verschiedene Politiker fordern die Einführung von Sozialtarifen, andere bevorzugen die Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Strom auf den für Grundnahrungsmittel geltenden Satz in Höhe von sieben Prozent.
Die Verbraucherzentrale NRW schlägt nun ein ganz anderes Modell vor, das nicht nur Geringverdienern, sondern allen Bürgern gleichermaßen zugute kommen soll: Die Verbraucherschützer fordern die verbindliche Einführung von Stromspartarifen, die auf eine Grundgebühr verzichten und dafür im Gegenzug mit einem höheren Entgelt pro verbrauchter Kilowattstunde diejenigen Kunden bevorzugen, die sich um Einsparungen beim Energieverbrauch bemühen. Auf diese Weise soll der Gesamtbedarf an Energie gesenkt und so die Totalbelastung von Bürgern und Volkswirtschaft gleichermaßen reduziert werden.
Bislang müssen Verbraucher in der Regel eine Grundgebühr entrichten und zusätzlich zu jeder in Anspruch genommenen Energieeinheit Entgelte zahlen. Durch die hybride Gebührenstruktur verringert sich nach Einschätzung von Experten der Anreiz, Strom durch effizienten Umgang einzusparen. Durch die Einführung von Stromspartarifen könnte die Einsparung je nicht verbrauchter Kilowattstunde ansteigen – ein verminderter Verbrauch und ein insgesamt verantwortungsvollerer Umgang mit Energie wären die anzunehmende Konsequenz.
Die Verbraucherzentrale NRW wirbt eigenen Angaben zufolge derzeit bei Vertretern aus Politik und Versorgungswirtschaft für ihre Idee. Insbesondere die Versorger nahmen bislang noch nicht Stellung zu den Vorschlägen.
Kritisch zu bewerten sind die neuen Tarifmodelle möglicherweise im Hinblick auf eine steigende Belastung für Familien. Diese würden aufgrund ihres in der Regel größeren Wohnraums und des damit verbundenen höheren Energiebedarfs unter der linearen Gebührenstruktur leiden. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Modelle der Verbraucherzentralen tatsächlich durchsetzen; eine abschließende Diskussion ist in jedem Fall wünschenswert.
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