Kaupthing Edge: Kunden kommen nicht mehr an ihre Gelder
Die Finanzkrise zieht unaufhörlich ihre Kreise und hat nun auch deutsche Bankkunden erreicht: Wer ein Tages-oder Festgeldkonto bei der deutschen Niederlassung der isländischen Bank Kaupthing Edge unterhält, musste heute morgen mit Schrecken die auf der Internetseite der Bank publizierte Meldung vernehmen: Der Zugriff auf die Konten ist gegenwärtig nicht möglich. Das Geldhaus steht ab sofort unter der Kontrolle der isländischen Bankenaufsicht. Ob und wann die Mittel der Anleger wieder zur Verfügung stehen, ist noch offen.
Kaupthing Edge hatte in den vergangenen Monaten aggressiv auf dem deutschen Markt geworben und auf diesem Wege versucht, neue Kunden zu gewinnen. Dabei wurden auf dem Tagesgeldkonto der Bank 5,65 Prozent Zinsen gezahlt, für Festgelder mit einer Laufzeit von einem Jahr bekamen Kunden sogar 6,1 Prozent. Im Hinblick auf die Einlagensicherung hatte das Institut stets betont, dass auch die Einlagen deutscher Kunden durch die isländische Einlagensicherung abgedeckt seien.
Die Leistungsfähigkeit dieser Sicherungssysteme darf allerdings in Zweifel gezogen werden. Verschiedene isländische Banken betrieben in den vergangenen Jahren außerordentlich expansive Wachstumsstrategien und steigerten ihre Bilanzsumme dadurch deutlich. Die Deckung geplatzter Einlagen erfolgt in letzter Konsequenz durch den Staat. Island aber verfügt mit seinen lediglich 300.000 Einwohnern nicht annähernd über die wirtschaftliche Leistungskraft, die zur Glattstellung der möglichen offenen Forderungen durch das isländische Bankensystem notwendig wären, da die Geschäfte der großen Banken des Inselstaates ein immenses Volumen erreicht haben.
Gegenwärtig lässt sich noch nicht absehen, wie mit den Ansprüchen der Kunden verfahren wird. Ein Ausfall allerdings muss nicht die zwangsweise Konsequenz der Ereignisse sein: Eine Freigabe der Konten nach einer Bestandsaufnahme durch die isländische Bankenaufsicht ist durchaus im Bereich des Möglichen.
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